Historie der Johannisloge zur Freundschaft

Die Geschichte der heutigen, "modernen" Freimaurerei nahm ihren Anfang zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als sich - so nach der bisherigen historischen Forschung - im Jahr 1717 in London die erste Großloge der "Alten Freien und Angenommenen Maurer" bildete. 1737 wurde eine erste deutsche Loge (sie trug später den Namen "Absalom") in Hamburg gegründet. Den eigentlichen Anstoß gab jedoch König Friedrich II. ("der Große") von Preußen. Ihm ist der Erfolg der rasanten Ausbreitung der Freimaurerei in den deutschen Ländern zu verdanken.

"Zu den drey Löwen" nannte sich die 1743 in der Universitätsstadt Marburg an der Lahn gegründete erste Loge in der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Die Marburger Loge hatte die Patenschaft, als sich im Jahr 1766 die erste Kasseler Loge mit dem Namen "Zum Thale Josaphat" einrichtete. Im Mittelpunkt stehen von Anfang an humanistische Ideale. Einen wirklichen Aufwärtstrend erlebte die Freimaurerei in Kassel allerdings erst in der kurzen Zeit zwischen 1766 und 1785, als ihr prominentester Bruder, Landgraf Friedrich II., die Freimaurerei durch seine Protektorat legitimierte. Die drei Logen der Residenzstadt des kleinen hessischen Fürstentums hatten um 1780 zusammen immerhin fast 250 Mitglieder, darunter berühmte Persönlichkeiten wie z.B. Freiherr Adolph von Knigge oder der Naturwissenschaftler Georg Forster.
Nach dem Tod Landgrafs Friedrich II. (1785) machte sein ältester Sohn und Nachfolger, Landgraf Wilhelm IX. keinen Hehl daraus, dass er die humanistischen und aufklärerischen Ideale der Freimaurerei verachtete. 1793 ordnete er unter dem fadenscheinigen Vorwurf, die Freimaurer Hessen- Kassels würden mit den Zielen der französischen Revolution sympathisieren, die polizeiliche Schließung aller Logen seiner Landgrafschaft an. Das Verbot galt bis 1806. Während der Zeit der Okkupation fast aller deutschen Länder durch Napoleon Bonaparte war Kassel von 1806 bis 1813 Residenzstadt des "Königreiches Westphalen" des jüngsten Napoleon- Bruders Jérôme Bonaparte. Der erst 23-jährige König und sein Premierminister Joseph Jérôme Simeon waren beide selbst Freimaurer und förderten nachhaltig die Logentätigkeit in ihrem kurzlebigen Königreich. Die Logen verzeichneten einen enormen Mitgliederzuwachs.
1813 war die "französische Zeit" vorbei und Kassel wieder Hauptstadt Kurhessens. Die Logen durften zunächst ihre Arbeit ungehindert fortsetzen. Zwei der damaligen Kasseler Freimaurerbrüder wollen wir namentlich hervorheben:
Friedrich Murhard, dessen Namen die Straße trägt, in der sich unser heutiges Logenhaus befindet. Er hat gemeinsam mit seinem Bruder die Murhard´sche Bibliothek in Kassel gestiftet.
Louis Spohr, der 1822 auf Empfehlung von Carl Maria von Weber vom Kurfürsten zum Oberhofkapellmeister in Kassel berufen worden war und dieses Amt bis zu seinem Tode (1859) ausführte. Er war der größte Geigenpädagoge seiner Zeit, einer der beliebtesten Komponisten des frühen 19. Jahrhunderts, dessen Werk stilistisch an die Musik des berühmtesten deutschsprachigen Komponisten und Freimaurers, Wolfgang Amadeus Mozart, anknüpfte.
Die Freimaurerei wurde im Jahr 1824 ein zweites Mal verboten, dieses Mal von Kurfürst Wilhelm II., Sohn und Nachfolger des früheren Landgrafen Wilhelm IX. Das Verbot galt bis 1866, als Kurhessen vom Königreich Preußen annektiert wurde. Die Logen wurden wieder zugelassen, es folgte eine dritte Blütezeit. Die Freimaurerlogen waren ein selbstverständlicher, anerkannter Bestandteil der bürgerlichen Gesellschaft. Mehrere neue Logen entstanden, darunter unsere Johannisloge "Zur Freundschaft". Unsere Loge wurde im Dezember 1893 gegründet und trat 1907 der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland - Freimaurerorden als Mitgliedsloge bei.
In der Folgezeit hatte die Loge zeitweise über 100 Mitglieder, darunter eine stattliche Zahl wohlhabender Bürger Kassels, so dass es möglich war, bereits im Gründungsjahr 1893 ein neu gebautes Logenhaus in der Kölnischen Straße 54 in Kassel zu beziehen. Auch "nichtfreimaurerische" Kasselaner waren oft bei diversen kulturellen Veranstaltungen zu Gast. Gern besucht wurde auch eine logeneigene öffentliche Gaststätte. Im Keller befand sich sogar eine Kegelbahn.

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Im Januar 1934 erhielten fünf der sechs Kasseler Logen einen Verbotsbefehl, wurden zur Einstellung ihrer Arbeit, zur Auflösung und Übergabe allen beweglichen und unbeweglichen Inventars gezwungen. Drei dieser Logen arbeiteten im Haus der Loge "Zur Eintracht und Standhaftigkeit" am Ständeplatz, die Heimat der beiden anderen Logen war das Logenhaus der "Freundschaft". Am 18. Juli 1935 wurde auch unsere Loge verboten. Mit der zwangsweisen Liquidation wurde das gesamte Logenvermögen enteignet, wie es ein Jahr zuvor schon im Logenhaus am Ständeplatz geschehen war. Beide Logenhäuser mussten weit unter Preis zwangsverkauft werden. Das Haus in der Kölnischen Straße ging an einen "verdienten Parteigenossen" und das am Ständeplatz an die Handwerkskammer. Die Erlöse kassierte nicht etwa der Staat Preußen, das Deutsche Reich oder die Stadt Kassel, sondern die NSDAP! Beide Häuser fielen dann im 2. Weltkrieg dem verheerenden Bombenangriff in der Nacht vom 22. zum 23. Oktober 1943, bei dem Kassels Kernstadt zu 90% zerstört wurde, zum Opfer.

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Bereits 1946 konnte sich mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung die Loge "Goethe zur Bruderliebe" etablieren. Im neuen Logenhaus der "Goethe zur Bruderliebe" in der Friedrichstraße arbeitete auch unsere Loge von 1948/49 bis Ende 1984. Weihnachten 1984 kaufte unsere Loge das Gebäude von der ehemaligen evangelisch-methodistischen Kirche mit den angeschlossenen Räumen in der Murhardstraße. Dieses Gebäude war durch Mitwirkung des Industriellen Sigmund Aschrott 1887/88 als "engliche Kirche St. Alban" für damals in Kassel lebende anglikanische Engländer gebaut worden.
Wenige Wochen nach dem Kauf des Grundstückes und des Gebäudes, am 9. Februar 1985, konnten wir mit einer festlichen "Tempelarbeit", wie wir Freimaurer unsere besonderen rituellen Zusammenkünfte nennen, das jährliche Stiftungsfest und zugleich die Übernahme der Räume in der Murhardstraße feiern. Seither haben unsere rund 60 Logenmitglieder in der ehemaligen englischen Kirche ihr Logenhaus gefunden, in dem wir uns regelmäßig versammeln und rituell arbeiten. Das 25-jährige Jubiläum unseres Logenhauses wurde entsprechend auf unserem Stiftungsfest 2010 gebührend gefeiert und fand rege Beachtung in der regionalen Presse.

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