Hessen & Kassel

"Zu den drey Löwen" nannte sich die 1743 in der Universitätsstadt Marburg an der Lahn gegründete erste Loge in der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Die Marburger Loge hatte die Patenschaft, als sich im Jahr 1766 die erste Kasseler Loge mit dem Namen "Zum Thale Josaphat" einrichtete. Im Mittelpunkt stehen von Anfang an humanistische Ideale. Einen wirklichen Aufwärtstrend erlebte die Freimaurerei in Kassel allerdings erst in der kurzen Zeit zwischen 1766 und 1785, als ihr prominentester Bruder, Landgraf Friedrich II., die Freimaurerei durch seine Protektorat legitimierte. Die drei Logen der Residenzstadt des kleinen hessischen Fürstentums hatten um 1780 zusammen immerhin fast 250 Mitglieder, darunter berühmte Persönlichkeiten wie z.B. Freiherr Adolph von Knigge oder der Naturwissenschaftler Georg Forster.
Nach dem Tod Landgrafs Friedrich II. (1785) machte sein ältester Sohn und Nachfolger, Landgraf Wilhelm IX. keinen Hehl daraus, dass er die humanistischen und aufklärerischen Ideale der Freimaurerei verachtete. 1793 ordnete er unter dem fadenscheinigen Vorwurf, die Freimaurer Hessen- Kassels würden mit den Zielen der französischen Revolution sympathisieren, die polizeiliche Schließung aller Logen seiner Landgrafschaft an. Das Verbot galt bis 1806. Während der Zeit der Okkupation fast aller deutschen Länder durch Napoleon Bonaparte war Kassel von 1806 bis 1813 Residenzstadt des "Königreiches Westphalen" des jüngsten Napoleon- Bruders Jérôme Bonaparte. Der erst 23-jährige König und sein Premierminister Joseph Jérôme Simeon waren beide selbst Freimaurer und förderten nachhaltig die Logentätigkeit in ihrem kurzlebigen Königreich. Die Logen verzeichneten einen enormen Mitgliederzuwachs.
1813 war die "französische Zeit" vorbei und Kassel wieder Hauptstadt Kurhessens. Die Logen durften zunächst ihre Arbeit ungehindert fortsetzen. Zwei der damaligen Kasseler Freimaurerbrüder wollen wir namentlich hervorheben:
Friedrich Murhard, dessen Namen die Straße trägt, in der sich unser heutiges Logenhaus befindet. Er hat gemeinsam mit seinem Bruder die Murhard´sche Bibliothek in Kassel gestiftet.
Louis Spohr, der 1822 auf Empfehlung von Carl Maria von Weber vom Kurfürsten zum Oberhofkapellmeister in Kassel berufen worden war und dieses Amt bis zu seinem Tode (1859) ausführte. Er war der größte Geigenpädagoge seiner Zeit, einer der beliebtesten Komponisten des frühen 19. Jahrhunderts, dessen Werk stilistisch an die Musik des berühmtesten deutschsprachigen Komponisten und Freimaurers, Wolfgang Amadeus Mozart, anknüpfte.
Die Freimaurerei wurde im Jahr 1824 ein zweites Mal verboten, dieses Mal von Kurfürst Wilhelm II., Sohn und Nachfolger des früheren Landgrafen Wilhelm IX. Das Verbot galt bis 1866, als Kurhessen vom Königreich Preußen annektiert wurde. Die Logen wurden wieder zugelassen, es folgte eine dritte Blütezeit. Die Freimaurerlogen waren ein selbstverständlicher, anerkannter Bestandteil der bürgerlichen Gesellschaft. Mehrere neue Logen entstanden, darunter unsere Johannisloge "Zur Freundschaft". Unsere Loge wurde im Dezember 1893 gegründet und trat 1907 der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland - Freimaurerorden als Mitgliedsloge bei.
In der Folgezeit hatte die Loge zeitweise über 100 Mitglieder, darunter eine stattliche Zahl wohlhabender Bürger Kassels, so dass es möglich war, bereits im Gründungsjahr 1893 ein neu gebautes Logenhaus in der Kölnischen Straße 54 in Kassel zu beziehen. Auch "nichtfreimaurerische" Kasselaner waren oft bei diversen kulturellen Veranstaltungen zu Gast. Gern besucht wurde auch eine logeneigene öffentliche Gaststätte. Im Keller befand sich sogar eine Kegelbahn.